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Udo Hagedorn - Malerei und Konzeptkunst


Expressive Geste und lyrische Form

Ikonische Choreografien des Sozialen

 

 

Biografie

1968 geboren in Heiligenstadt (Thüringen)
1988-1990 HAB Weimar (heute Bauhaus Universität)
1991-1993 Humboldt Universität zu Berlin
lebt und arbeitet in Berlin und Ihlow(Märkische Schweiz)

Ausstellungsauswahl

Einzelausstellungen

1996 TU Ilmenau
1997 Club Wydocks Berlin
1998 Galerie Checkpoint Berlin
2000 Galerie Krause Berlin
seit 2002 jährlich Event galerie tage in eigenem Atelier  (ab 2008 auch Galerie)
2002 Galerie Zum alten Warmbad Buckow
2002 Brandenburger Landtag Potsdam
2003 Bundeswehrkrankenhaus Berlin
2003 Dorfkirche Dahmsdorf
2003 Galerie im alten Wasserturm Leinefelde/Thüringen
2004 Naturparkverwaltung Märkische Schweiz Buckow,
2005 Stadtpfarrkirche Müncheberg
2005 Sparkasse Strausberg
2005 Sparkasse Müncheberg
2006 Galerie im Alten Warmbad Buckow
2006 Kommunität-Grimnitz Joachimsthal
2006 Berliner Wasserbetriebe (gemeinsam mit Ernst J. Petras)
2007 Entregalerie Strausberg
2008 Kunstspeicher Friedersdorf
2008 Staatliche Schule für Ballett und Artistik Berlin
2008 Eröffnung der eigenen Produzentengalerie Kunsthalle-Hagedorn
2009 Berlitz Sprachcenter Rostock
2012 Pax Bank Berlin
2013 Buchpremiere "Eiswüste und Asphaltblut" herausgegeben vom Leipziger Literaturverlag
        als Ergebnis der Konzeptarbeit "Die Hochzeit von Text und Bild" dazu drei Veranstaltungen:
        Leipzig  "Wärmehalle Süd"
          Berlin    "Kaffee Burger"
          Magdeburg - Institut für Philosophie der OvGU/Forum
                                  Gestaltung/Verein Philosophie
                                  "Denkkino" Imagination zwwischen Text und Bild

 

 

Ausstellungsbeteiligungen
2012 Berliner Liste G1 46 Sophisticated München

2012 Soziogramme - Projekt Atelierrundgang Wien

2012 Vernissage im Showroom - Sophisticated-München

2011 Künstlersalon Berlin

2007 Kunstmarkt Wilhelmsaue

2005 –2006 Sparkasse MOL Strausberg

2005 Prüfungsamt Bundesrechnungshof Berlin

2004 Brandenburger Landesvertretung Berlin




Ihlow 66


Expressive Geste und lyrische Form


Die informellen Arbeiten im Werk von Udo Hagedorn.

In den schwungvollen expressiven Kompositionen des in Berlin und Brandenburg lebenden Künstlers Udo Hagedorn lässt sich immer wieder eine Zusammenführung von Kunst und Leben beobachten. Nach Aussagen des Malers entsteht durch den Wechsel von tosender Großstadt und dörflicher Beschaulichkeit eine explodierende Erlebnisintensität, die sich in seinen Arbeiten niederschlägt. Hagedorn pendelt zwischen zwei Wohnsitzen, der Weltstadt Berlin und dem beschaulichen Ort Ihlow in Brandenburg.

Udo Hagedorn arbeitet bevorzugt in Bildfolgen, die bis zu sechs fragmentarische Variationen umfassen. Die einzelnen Motive einer thematischen Folge sind in sich abgeschlossene Arbeiten, welche allein, zusammen oder in beliebiger Kombination wahrgenommen werden können. Die Arbeiten loten Dimensionen aus, die jenseits der Sichtbarkeit einer fotogenerierten und technologischen Bilderflut unseres Alltagslebens liegen.

Die Kompositionen unterliegen einem spontanen in der Form offengelassenen Verfahren, welches für die Bildfindung bestimmend wird. Gestische Abstraktionen, begleitet von kalligraphischen Zeichen, stehen in einem intuitiven Prozess, der auf die reine Ausdrucksgestalt zielt. Das Zufällige wird in einem Filterungsprozess zum Bestimmten, indem sich das vorab unkontrolliert Entstandene zu einer gestalterischen Einheit verdichtet.

Kunst ist der Ort in unserer Gesellschaft, an dem sich ambige Strukturen und ambivalente Rezeptionsweisen besonders deutlich artikulieren.

Die Serie „Skulpturales", in welcher der Künstler mit bis zu 20 Lasuren gearbeitet hat, zeigt zudem konstruktivistische Formenanklänge.

Die Arbeiten von Udo Hagedorn stehen in der Tradition des Informel. In der gegenstandslosen Malerei ist Farbe autonom vom Gegenstand formgestaltend: Farbtöne, Zwischentöne bilden spontane Interferenzen. Kalligraphische Impulse aus der asiatischen Zen-Kunst verdichten die Kompositionen, wie in den Frühlingsbildern. Auch die Künstler des Informel haben fernöstliches Gedankengut als Inspirationsquelle genutzt, ohne in die Tiefen des ZEN vorzudringen, ohne dies auch beabsichtigt zu haben.

Udo Hagedorn begreift die Linienführung in seinen Arbeiten als „vorsprachliche Beschreibungsversuche des Erlebten unter Vermeidung von entschlüsselbaren Zeichen", wobei sich Assoziationen an kalligraphische Zeichen kaum vermeiden lassen. Schriftspuren, die verschiedene Bildebenen verbinden können oder auch abrupt trennen, scheinen sich aus dem Moment des Arbeitsvorganges frei erfunden herauszubilden, wie in der Serie „Formierungen". Die präverbale Phase in den Kompositionen ermöglicht noch unstrukturierte Gefühle, wie sie sich durch die Strukturiertheit unserer Sprache nicht vermitteln lassen, in kraftvolle visuelle Energiespuren umzusetzen, wie z. B. in den Arbeiten „Narrationen".

Die Kompositionen entstehen vorwiegend ohne einen fassbaren Plan, der Maler vertraut seiner Intuition, überlässt sein Tun der Spur seiner Hand. Die Farben werden auf den flach auf dem Fußboden liegenden Bildträger gesprenkelt, gekleckst oder mit schwungvollen Pinselhieben aufgetragen.

„Hexenschuss" ist eine der wenigen Kompositionsreihen, in denen sich realitätsnahe Bezüge ableiten lassen. Auch in den Hexenschuss-Bildern dominieren verdichtete Bildhintergründe, dennoch setzen dezente gegenständliche Verweise und die Symbolkraft der Farbe Rot Bezüge zu der vorgegebenen Thematik: das Fragment einer Wirbelsäule, ein roter Blitz assoziieren trotz einer weit fortgeschrittenen Abstraktionsstufe einen plötzlich auftretenden punktuellen Schmerz, der anschließend über den ganzen Rücken streut. Sie sind unmittelbare Zeichen für eine vom Künstler selbst erfahrene Pein, eine künstlerische Ästhetisierung des Alltags.

Obwohl informelle Arbeiten einen selbstreferentiellen Ansatz verfolgen und primär die eigene Präsenz demonstrieren, lassen sich Erzählspuren in den Bildern wahrnehmen, darauf verweisen die Titel, die der Maler seinen Bildserien gibt. Hagedorn betont explizit, dass seine Verweise auf reales Geschehen optional zu verstehen sind. Der Betrachter kann sich dieser thematischen Brücke bedienen oder stattdessen von eigenen Assoziationen leiten lassen.

 

Unter Grafik geordnet sind die Arbeiten „Ihlow Nr. 43-66", „Papierarbeiten" und „Monotopien". In der Serie „Ihlow" lassen sich dominante schwarze Formen auf ein Kräftemessen mit korrespondierenden Formationen und den Umgebungsfarben ein. Diese aus dem Unbekannten geschöpften Formen stehen in lyrischer Beziehung zueinander, im Gegensatz zu den Gemälden bleiben hier die Bildgründe weitgehend monochrom.

Das Sich-Einlassen des Künstlers auf Unbekanntes führt in einigen „Papierarbeiten" intuitiv zu naturverwandten Grundformen. In den Monotypien dominiert die Sinnlichkeit der Farbe, fließende Blau-, Rot-, Gelb- und Grüntöne verschmelzen zu einer kompositorischen Harmonie, auf dem gräulich gehaltenen Hintergrund.

Hannover 1.10.2010

SH






     im Atelier



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ikonische Choreografien des Sozialen

  

Der Konzeptionelle Ansatz im Werk von Udo Hagedorn

 

Wie lassen sich soziale Beziehungen in Bilder umsetzen und Bilder wieder in soziale Beziehungen?

Dies ist die Frage, mit der sich der Berlin/Ihlower Künstler Udo Hagedorn in seinen Arbeiten auf immer wieder unterschiedliche Weise auseinandersetzt. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Choreografie“ assoziierend, das ursprünglich die Notation der Bewegungen des Chores im griechischen Drama meinte, könnte man Udo Hagedorns Arbeiten als Versuche bezeichnen, ikonische Choreographien des Sozialen zu erstellen.

Um die vielfältigen Konstellationen menschlicher Beziehungen im wörtlichen Sinne aufzuzeichnen entwickelt Hagedorn in seinen Bildern immer wieder neue Figurensprachen testet diese in ihrer ikonischen Darstellungskraft aus. So gibt es einerseits etwa größere Bilderzyklen, in denen der Künstler mit klar abgegrenzten Farbflächen operiert, wobei die dabei entstehenden Figuren in ihrer Dynamik deutlich als agierende Protagonisten zu erkennen sind. Kategorisch gewählte Bilduntertitel unterstützen die Deutung der Bilder und verweisen explizit und typologisch auf den Raum menschlicher Beziehungen.

Andere Figurensprachen zur ikonischen Artikulation (psycho-)sozialer Beziehungsgeflechte entwickelt der Künstler in Anlehnung an die Darstellung von Zellstrukturen, wie sie aus der Mikrobiologie bekannt sind. Die Strukturen von biologischen Zellen mit ihren Zellkernen und ihren Verknüpfungen arbeitet Hagedorn vornehmlich in Acryl auf Leinwand zu eigenen „soziogrammatischen“ Zellbildern um. Was herauskommt, sind imaginierte Strukturen, sind Bild-Beziehungs-Muster die den Betrachter eindringlich auf sich selbst zurückweisen und eine Reflexion auf die je eigene Stellung im lebensweltlichen sozialen Beziehungsgeflecht in Gang setzen. Andere Werkzyklen wiederum sind gekennzeichnet von auf „urwüchsige Weise“ pastos aufgetragenen Bildelementen. Auf Ausdruck reduziert haben sie ebenfalls eine klare sozio-choreographische Bildsprache.

Eine weiterer wichtiger Bereich von Hagedorns Schaffen sind informelle, ungegenständliche Arbeiten, die dynamisch und spannungsgeladen ebenfalls das Thema Beziehung reflektieren, wenn gleich hier verstärkt auch die Reflexion der eigenen Selbstbeziehung als Künstlers eine wichtige Rolle spielt.  Trotz großer experimenteller Offenheit besitzen diese Arbeiten eine sehr signifikante Handschrift.

Die Frage, wie sich soziale Beziehungen in Bilder umsetzen lassen und wie Bilder wieder in soziale Beziehungen, bearbeitet Udo Hagedorn jedoch nicht nur isoliert mit den Mitteln der Malerei und Druckgraphik sondern geht damit selbst wiederum auch praktisch in die soziale Interaktion: Kunstprojekte, wie die „Soziogramme“ etwa, versuchen, die Ausstellungsbesucher praktisch in die ikonische Choreographie des Sozialen einzubeziehen. Im Falle von „Soziogramme“ etwa malen sich Besucher selbst in von Hagedorn vorgegebene graphische Zellstrukturen ein und eigenständig kreieren so neue Bild-Beziehungs-Muster.   Im Falle eines anderen interaktiven Projektes, das an den Werkzyklus „Sprich mit mir“ anschließt, können die Ausstellungsbesucher frei mit Hagedorns Figurenelementen operieren, die als Set von graphischen Stempel für die eigene kreative Kompositionsarbeit zur Verfügung stehen. Hagedorn kommt dem Wunsch der Ausstellungsbesucher nach eigenem authentischen Ausdruck entgegen, wenn er sie mit seinen graphischen Stempeln je eigene Figurenanordungen erstellen lässt. So verinnerlichen die Besucher einerseits den grafischen Fokus des Künstlers und transzendieren ihn zugleich kreativ. Was herauskommt, könnte man als „Kommunikogramme“ bezeichnen, die wiederum ausgestellt neue kommunikative Beziehungs-Dynamiken in Gang setzen.

Last but not least: Udo Hagedorn sucht immer auch die schöpferische spartenübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Dies dokumentiert sich in Projekte, in denen Hagedorns Bilder mit Arbeiten von Künstlerkollegen aus den Bereichen Fotografie, Tanz oder Literatur konfrontiert werden ebenso wie in der gemeinsam konzeptionellen Entwicklung künstlerischer Projektideen und deren Realisierung. Gerade in den gemeinsam mit anderen Kollegen entwickelten Projekten und Arbeiten wird Hagedorns ausgeprägte künstlerische Fähigkeit zu pointierter ironischer und selbstironischer Distanzierung sichtbar.

Leipzig  März 2009

Dr. phil. Rainer Totzke